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Schüler der 4. Gesamtschule stellen sich Projekt „Herausforderung“

Aachenener Nachrichten, Margot Gasper, 12. Mai 2017 Foto: Harald Krömer

AACHEN. Noch knapp vier Monate, dann beginnt für 108 junge Leute ein Projekt, das für viele von ihnen das bisher größte Abenteuer ihres Lebens sein dürfte. Am 4. September schickt die 4. Aachener Gesamtschule alle ihre Neuntklässler wieder auf „Herausforderung“. 17 Tage lang, fast drei Wochen, haben die jungen Leute dann Zeit, ein selbst gewähltes Ziel zu erreichen.

 

Mit der „Herausforderung“ sorgte die Gesamtschule vergangenes Jahr weit über Aachen hinaus für Aufsehen, nun geht das Projekt in die zweite Runde. Wieder stellen sich 14- und 15-jährige Mädchen und Jungen einer Aufgabe, an der sie im besten Fall wachsen, mit der sie aber auf jeden Fall Erfahrungen fürs Leben machen. „Ein Praktikum fürs Leben“, sagt Lehrerin Margret Lensges, die die Großaktion vergangenes Jahr koordiniert hat.

 

Finja, Zeynep und Emmanuel (vorne) sind gespannt auf ihre „Herausforderung“.

Lena, Vanessa, Xenia und ihre Begleiterin Farina können nach ihren Erfahrungen im letzten Jahr manchen Tipp geben

     

 

Die meisten jungen Leute werden in Kleingruppen auf Tour gehen. Jede Gruppe zieht mit einem Budget von 150 Euro pro Schüler los. Weiter als 500 Kilom

eter darf das gewählte Ziel nicht von Aachen entfernt sein. Trotzdem aber kommt man so zum Beispiel locker bis nach England. Eine Gruppe will das diesmal unter Beweis stellen und mit den Fahrrädern Richtung Kanalküste aufbrechen.

Die Vorbereitungen laufen seit Anfang des Jahres, jetzt geht es an die Feinplanung für das große Abenteuer. 19 Gruppen haben sich gefunden, berichtet der diesjährige Koordinator, Lehrer Torsten Stahlmann, 17 davon wollen mit dem Rad unterwegs sein. Die Ziele sind so unterschiedlich wie die Interessen: Hamburg, Amsterdam, die niederländische Küste, alles im vorgeschriebenen 500-Kilometer-Radius.

Am Mittwoch gab es einen Elternabend zum Thema. Schließlich ist es auch für Mütter und Väter eine Herausforderung, ihr Kind 17 Tage unterwegs zu wissen. „Aber nach den sehr guten Erfahrungen des letzten Jahres ist die Akzeptanz unter den Eltern groß“, bilanziert Torsten Stahlmann.

Immer noch einigermaßen offen ist allerdings der rechtliche Rahmen, in dem sich das ungewöhnliche Projekt bewegt. Obwohl die „Herausforderung“ bis hinauf ins Schulministerium mit Interesse und Wohlwollen betrachtet werde, sei das Projekt weiterhin nicht offiziell durch die Schulaufsicht genehmigt, berichtet Schulleiter Hanno Bennemann. Im vergangenen Jahr forderte die Bezirksregierung den Schulleiter auf, die Aktion sorgfältig zu planen und zu prüfen – und dann selbst die Verantwortung zu tragen.

Bennemann erwartet, dass die „Herausforderung“ auch in diesem Jahr in seiner persönlichen Verantwortung über die Bühne gehen wird. „Ich glaube aber, dass die Schulaufsicht sich bemüht, eine Lösung herbeizuführen“, sagt er. Handlungszwang entstehe auch, weil viele Schulen im Land großes Interesse zeigen an dem, was die Aachener Gesamtschule da auf die Beine stellt. Eine generelle Regelung durch die Bezirksregierung würde für alle Schulen eine verbindliche Basis schaffen.

Im Kern geht es dabei um die Frage der Aufsicht. Die wird bei der „Herausforderung“ an die Begleiter der Gruppen, hauptsächlich Studierende der Sozialen Arbeit von der Katholischen Hochschule und Lehramtsstudenten der RWTH, übertragen. Die Begleiter sind immer dabei, halten sich aber im Hintergrund und greifen nur im Notfall ein.

Billig ist das Projekt „Herausforderung“ nicht gerade. Rund 10.000 Euro fallen auch diesmal an, unter anderem für die Schulung der Begleiter, für die Selbstverteidigungskurse der Schüler, für Handys für die 24-Stunden-Notfall-Hotline ... Da war Hanno Bennemann froh, dass Alexander Bonnes, Filialleiter der BB-Bank in Aachen, am Donnerstag mit einem Scheck über 2000 Euro vorbeischaute.

Bei dieser Gelegenheit erzählten auch einige der künftigen Neuntklässler, wie sie sich auf ihre „Herausforderung“ vorbereiten. Finja und Zeynep werden mit fünf anderen in Richtung England radeln und sind schon ziemlich gespannt auf die Tour. Ein paar wertvolle Tipps konnten sie sich gleich bei Lena, Vanessa und Xenia holen, die vergangenes Jahr mit ihrer Begleiterin Farina bis nach Stellendam in der niederländischen Provinz Zeeland geradelt waren.

„Nicht zu viel Gepäck mitnehmen“, raten sie, „keine Jeans, aber auf jeden Fall diese hässlichen gepolsterten Radlerhosen. Und Po-Salbe!“ Und dann sprudeln geradezu die Erinnerungen an diese spannenden Tage. Wie unglaublich nett manche Leute waren. Und wie blöd und unfreundlich andere. „Ich bin immer noch voll stolz, dass ich das durchgezogen habe“, sagt eine Schülerin. Die anderen nicken.

Emmanuel muss seine Herausforderung noch durchziehen. Er ist einer der Schüler, die nicht in einer Gruppe unterwegs sein werden, sondern ein Einzelprojekt anpacken. Der begeisterte Basketballer hat es geschafft, für die 17 Tage im September in einem Basketball-Profi-Internat angenommen zu werden. Und das klappt mit einem Budget von 150 Euro? Na ja, sagt Emmanuel, er werde sich halt im Internat nützlich machen, beim Spülen und in der Geschäftsstelle. Auch eine Herausforderung.